Ein Wort zu Jean Giraud

Wenn Idole sterben, zieht es einem immer ein bisschen den Fussboden weg. Als Jüngling verehrte ich eine ganze Handvoll Zeichner: Crumb, Druillet, Corben, und immer war ich fasziniert von Moebius. Es war der klare, luftige Strich, die Leichtigkeit selbst in den komplexesten Szenarien. Keiner konnte SF und Fantasy so perfekt wie er, und auch seine Storys waren immer 'seltsam' und nie gefällig.

 

Ich hatte das unvergessliche Erlebnis, ihm kurz zu begegnen, 2006 beim Comicfestival in Angouleme. In einer feudalen Hotellobby wurde ich zu einer Gruppe plaudernder Menschen geschoben, und da stand ein kleiner, freundlicher alter Mann, der mir sagte, er habe den Namen 'Edeltraut' mal aus meinen Comics genommen und verwendet (wenn ich das in der Übersetzung recht verstanden habe, ich kann kein Wort französisch.) Ich war verdutzt und  fragte höflich, wer er denn sei,- kurz erstarben die Gespräche. Jemand klärte mich schnell auf: "Das ist Moebius!" und ich hätte mich am liebsten vor Verlegenheit und Verehrung in arabischer Gebetshaltung auf den Teppich geschmissen!

 

Nun ist der größte der Zunft in die Luftdichte Garage entschwebt, oder wohin auch immer. Ein Grund, sich mit den alten Moebius-Alben in den Sessel zu setzen und noch mal zu staunen.

 

11. März 2012